Wieso arbeiten Menschen eigentlich? Oder anders gefragt: Wann arbeiten Menschen eigentlich besonders gerne? Geld und die damit verbundene vermeintliche Absicherung des Lebens spielen bestimmt eine wichtige Rolle. Aber das ist bei weitem nicht der Hauptgrund.

Seit 2003 erforscht die RespectResearchGroup (RRG) in Hamburg das Thema Respekt. Ein für die Forschung ungewöhnliches Feld. Aber das Team um Niels van Quaquebekeist davon überzeugt, dass durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema positive Rückschlüsse für ein besseres gesellschaftliches Zusammenleben, aber auch bessere Unternehmenskulturen gezogen werden können. Dabei wurde ein theoretisches Modell entwickelt. Es unterscheidet zwischen dem vertikalen Respekt und dem horizontalen Respekt.

Man spricht vom vertikalen Respekt, wenn man Menschen Anerkennung aufgrund einer besonderen Expertise oder einer außergewöhnlichen Leistung zollt. Komplimente wie „Deine Präsentation hat den Kunden voll überzeugt! Super gemacht!“ sind ein typisches Beispiel. Im Englischen wird diese Form auch „appraisal respect“ genannt und in den meisten Unternehmen gehört der vertikale Respekt zum Tagesgeschäft. Vertikaler Respekt heißt auch, dass Sie beispielsweise als Hobbykoch Tim Raues Kochfertigkeiten nie ernsthaft in Frage stellen würden, geschweige denn als Mode-Fan Jil Sanders Fashion-Expertise.

Der horizontale Respekt fällt komplexer aus. Diesen „recognition respect“ verdient man sich nicht durch hervorstechende Taten. Es geht viel mehr um den generellen respektvollen Umgang miteinander. Klingt profan, ist in vielen Lebensbereichen jedoch stark in den Hintergrund gerückt. Es handelt sich um eine grundlegende Entscheidung, ob man nicht nur mit dem Chef und anderen „Respektspersonen“, sondern auch mit jedem anderen Menschen aufrichtig und respektvoll umgeht. Gerade im Unternehmen kann das wichtig sein. „Es geht nicht ums Nett-Sein“, erklärt Niels van Quaquebekegegenüber dem Wirtschaftsmagazin Brand Eins. „Wir sind an handfesten Dingen interessiert. Führt Respekt zu mehr Leistung, hilft ein klares Bewusstsein für Respekt in Unternehmen dabei, Umsätze und Gewinne zu erhöhen. Zahlt sich Respekt aus? Natürlich. Wer in Respekt investiert, wer damit eine bessere Unternehmenskultur schafft, hat eindeutig die Nase vorn.“

In einer Studie fand die RRG heraus, dass die wichtigsten Motivationen von Mitarbeitern weder der Dienstwagen, die Gehaltserhöhung noch die Beförderung sind. An erster Stelle steht unterdessen, eine interessante Aufgabe zu haben. An zweiter Stelle steht die respektvolle Behandlung durch den Chef und die Kollegen. Heißt, wer an motivierten Mitarbeitern im eigenen Unternehmen interessiert ist, sollte weniger auf Anreize wie Boni und Karrieresprung setzen, als vielmehr auf horizontalen Respekt im gesamten Business.

Das erfordert von vielen Unternehmern und Geschäftsführern ein Umdenken. Es könnte vorbei sein mit den Zeiten, in denen monarchische Bosse wie Steve Jobs, Henry Ford oder Martin Winterkorn noch als Idole der Unternehmenskultur galten. Eine zeitgemäße Unternehmenskultur setzt auf Soft Skills, tatsächliche Kompetenzen der Mitarbeiter und Lernbereitschaft aller Beteiligten. Denn auch der beste Chef wird nie so viel wissen, wie einzelne spezialisierte Angestellte. Ist er jedoch an den Prozessen interessiert, zeigt sich wissbegierig, überlässt Verantwortung und begegnet den Mitarbeitern auf Augenhöhe, werden sie es dem Unternehmen mit Engagement und Treue honorieren.

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