Seit elf Jahren ist Ansgar Jahns Dozent an der Hotelfachschule der Staatlichen Gewerbeschule für Ernährung und Gastronomie in Hamburg. Er ist dort für die Themen Tourismus-Management, E-Commerce und Online-Marketing verantwortlich. Darüber hinaus betreut er das IT-Management der Schule und engagiert sich im Sektor Wissensmanagement. Seit einiger Zeit kooperiert die Schule mit Planday, um die zahlreichen Aspekte der Digitalisierung kommenden Führungs- und Fachkräften der Branche näher zu bringen. Im Interview spricht Jahns über die Gründe des Fachkräftemangels, was in der Branche getan werden muss, um dem entgegenzuwirken und wieso es sich lohnt, in der Hotellerie nicht nach einem Jahr gleich die Flinte ins Korn zu werfen.

Herr Jahns, welche Rolle hat die Digitalisierung im Bereich Hotellerie in den letzten zehn Jahren gespielt?

Die Digitalisierung hat sich unterschiedlich entwickelt. In Hotelketten, die die entsprechenden Strukturen und Ressourcen, vor allem aber die Manpower haben, hat sie sich relativ schnell etabliert. Themen sind hier unter anderem Mobile Check-In und Internetbuchung. Währenddessen im Bereich der Privathotellerie die Digitalisierung stark von den jeweiligen Unternehmen abhängig ist. Da ist die Welt teils stehengeblieben. Bei einigen ist sehr wenig passiert. Das kann man aber natürlich nicht pauschalisieren.

Hat das mit fehlendem Investitionsvermögen zu tun?

Das hat zum einen mit dem Fachkräftemangel zu tun, aber auch mit Missverständnissen. Digitalisierung ist bei vielen noch immer ein Buzzword, genau wie die digitale Transformation. Das wird heute immer noch missverstanden, weil die Transformation oft nur von der IT-Seite aus betrachtet wird.

Was ist es dann?

Digitalisierung beschreibt die Rahmenbedingungen: Wie sich Wirtschaft und die Produkte verändern. Das hat erstmal nichts damit zu tun, ob das Hotel eine Webseite mit Buchungssystem hat oder nicht. Das sind doch nur Instrumente, die der Kundenkommunikation oder dem Vertrieb dienen. Digitalisierung ist eine strategische Entscheidung und sie liegt zu 80 Prozent in der Führungskompetenz und -strategie. Stichwort Leadership. Ob man sich für Siri oder Alexa entscheidet ist sekundär. Wie richtet man sich aus? Welche Vision habe ich für mein Unternehmen? Das sind die wichtigen Fragen und haben wenig mit IT zu tun.

In den Medien ist seit langem die Rede vom Fachkräftemangel in der Branche. Wie ist die Situation einzuschätzen?

Ich habe mit vielen Berufskollegen gesprochen, und sie suchen alle händeringend nach Fachkräften. Das betrifft den operativen wie strategischen Bereich. Aber gerade im operativen Bereich gibt es kaum noch Bewerbungen oder wenn nur von branchenfremden Quereinsteigern. Diese kann man aber nicht ohne weiteres in ein hochtechnisiertes und hochgradig organisiertes Frontoffice stecken. Dafür braucht man eine umfassende Ausbildung – das Problem betrifft aber alle Berufszweige in unserer Schule. Die Gründe sind vielschichtig. Vielen geht es um die mangelnde Wertschätzung, auch die des Chefs gegenüber seinen Mitarbeitern. Die junge Generation hat heute eine andere Vorstellung davon, wie sie ihr Leben gestalten will. Da findet ein Generationswechsel statt. Viele machen zwar bei uns ihre Ausbildung, wandern aber in andere Bereiche ab.

Zum Beispiel?

Viele gehen in die Industrie, in den Handel oder E-Commerce-Unternehmen. Geld spielt eine Rolle. Aber auch vom Schichtdienst wenden sich viele ab, was natürlich schade ist. Die Hotellerie ist eine große und kommunikative Branche. Man kommt relativ schnell in einer großen Familie an. Es gibt extrem gute Weiterbildungschancen und Aufstiegsmöglichkeiten, die es in kaum einer anderen Branche so gibt. Bei internationalen Ketten kann man in der Welt rumkommen – ich kann daher nur empfehlen, den Einstieg ein paar Jahre auszuhalten. Viele werfen nach einem Jahr die Flinte ins Korn. Das ist schade, weil man so die eigentlichen Chancen gar nicht sieht.

Zumal Tourismus und Hotellerie weiterhin ein globaler Wachstumsmarkt sind.

Definitiv. Die Lage ist schizophren. Alleine in Hamburg sind in den letzten Jahren viele neue Hotels eröffnet worden. Es gibt eine hohe Auslastung. Aber sobald ein Hotel mal voll ausgebucht ist, kann es passieren, dass plötzlich zu wenige Mitarbeiter da sind. Das ist ein Schreckensszenario, wenn man sieht, dass ein neues Hotel 50 bis 60 Auszubildende einplant und wir uns fragen, wo die herkommen sollen. Als Außenstehender kann man das kaum nachvollziehen. Die Wirtschaft brummt, es könnte kaum besser laufen. Aber unten an der Basis gibt es fundamentale Probleme.

Ist nur die schlechte Bezahlung in der Branche das Problem oder wird vielleicht auch immer noch ein falsches Image transportiert?

Sowohl als auch. Geld ist ein wichtiger Grund für viele, in die Wirtschaft zu gehen. Dort kann man teilweise ohne Schichtdienst das Doppelte verdienen. Die Bezahlung ist daher immer großes Thema. Es gibt aber erste Hotels, die mittlerweile genau dieses doppelte Gehalt bieten. Das finde ich toll und ist ein guter Ansatz. Womit aber noch immer nicht das Wertschätzungsproblem gelöst ist. Da müssen die Branchen enger zusammenrücken. Und ich weiß nicht, ob das realistisch ist.

Sie arbeiten in der Hotelfachschule mittlerweile auch mit Planday. Was finden Sie daran so interessant?

Oliver Gadow von Planday war vor einiger Zeit bei uns und hat zwei Kurse zu den Themen „Digitalisierung“ und „Digitale Transformation“ gegeben. Ich bin von ihm begeistert, weil er eine ruhige, angenehme Art hat und Dinge sehr gut auf den Punkt bringt. Seine Erfahrung aus unterschiedlichsten Bereichen kommt stark zum Tragen. Das ist hochkarätig. Wir planen daher weitere Workshops zu den Themen und wollen diese in unseren Unterricht mit einbetten. Planday wird daher eine feste Rolle im Unterricht spielen, da solche Anwendungen strategisch und operativ angehenden Führungskräften viel abnehmen können. Personalführung und -management sind wichtige Bereiche. Es sollen Kriterien erstellt werden, mit denen die Studierenden entscheiden können, wie man sich für eine entsprechende Lösung entscheidet.

Die Realität sieht oft anders aus.

Es gibt viele, die arbeiten tatsächlich noch mit Excel und WhatsApp-Gruppen. Dabei ist WhatsApp aus Datenschutzgründen schwierig, gerade nach der aktuellen DSGVO. Das muss man betonen, da sollten Unternehmen von Abstand nehmen. Niemand sollte freiwillig sein Adressbuch in den USA offenlegen. Ich finde es daher gut, dedizierte Apps dafür zu nutzen. Planday kommt da ins Spiel, weil das Produkt über die Jahre sehr gut weiterentwickelt wurde. Hier wird alles abgebildet, was für den Schichtbetrieb notwendig ist.

Welche Funktionen sind sonst persönlich besonders spannend?

Die Schnittstellen finde ich wertvoll und die Tatsache, dass das ständig weiterentwickelt wird – gerade in Bezug auf Kassen- und Personalsysteme. Das Thema wird in Zukunft immer wichtiger werden. Die Zeiterfassung ist sehr gut mit der Dienstplanung kombiniert. Kommunikation finde ich ebenfalls wichtig. Gastronomie und Hotellerie sind schnelllebige Felder, da ist es überlebensnotwendig, direkt und schnell mit Kollegen und Chefs in Kontakt zu treten, um Schichten vertreten zu lassen oder andere Probleme unkompliziert zu lösen. Uns ist der Austausch mit der Wirtschaft wichtig, um die Praxis bei aller Theorie nicht aus den Augen zu verlieren. Daher sind wir dankbar, dass Unternehmen uns bei unserer Arbeit unterstützen und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Planday.

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